epernay-shortlist (a.k.a terres et vins de champagne #5)
Exakt vor einer Woche fand zum nun schon fünften Mal die Terres et Vins de Chapagne, eine jährlich stattfindende Präsentation einiger kleiner, aber nicht ganz unbedeutender Winzerchampagner-Häuser statt. Genau wie im letzten Jahr hatte ich das große Vergnügen, an der Probe, bei der nicht nur die jeweils aktuellen Champagner sondern auch die Vins Claire (also die zugrundeliegenden Stillweine) verkostet werden können, teilzunehmen.
Was im letzten Jahr noch eine zahnhalsruinierende Prüfung war, geriet in diesem zur interessanten Bereicherung:. Die zu verkostenden Vins Claire aus ‘12 präsentierten sich zwar durch die Bank zwar mit der ihnen wesenseigenen gewissen säurebetonten Kargheit, aber eben doch bei weiten nicht so anstrengend wie im Jahr zuvor. Viele zeigten sich überraschend rund und ausgewogen, die Mineralität der Grundweine trat klar zutage. Der ‘12er Jahrgang könnte in einigen Jahren einige sehr bemerkenswerte Champagner hervorbringen (de Mengen sind allerdings zum Teil dramatisch eingeschränkt).
Aber von Zwischen-Erzeugnis und Zukunft hin zum heir und jetzt und zum fertigen Produkt. Folgend eine kleine Shortlist mit meinen persönlichen Favoriten:
1.) David Leclapart/Apôtre 2007
BdB aus über 60 Jahre alten Chardonnay-Reben. Abgründige Tiefe und große Komplexität. Für mich der beste Champagner der Probe.
2.) R. & V. Bereche/ Le Cran Ludes 2006 1ier Cru
Erst im Januar dieses Jahres degorgiert. Gereifte, sehr weinige Opulenz. Wahnsinnslänge. Nur knapp hinter dem Apôtre und leider ohne Foto von Flasche oder Winzer.
3.) Alexandre Chartogne/Les Alliés 2008
Chartogne hatte für meinen Geschmack die schönste Gesamt-Kollektion. Füllige, dichte Champager von toller Länge, von ihrem Macher ebenso eloquent wie leidenschaftlich präsentiert. Auch Les Orizeau und Les Barres waren hervorragend, aber primus inter pares war für mich eindeutig der Les Allies.
4.) Pascal Agrapart/Mineral 2007
Die Kollektion von Agrapart hat mich in diesem Jahr nicht ganz so begeistert wie im Jahr zuvor. Gerade bei den beiden besseren Qualitäten Aviziose und Venus fand ich die (wohl dem schwierigen Jahr?) geschuldeten dunkleren Töne etwas zu dominant. Was den Champagnern im letzten Jahr als Hintergrundnote noch Tiefe und Komplexität verlieh, gerät bei den 07ern für meinen Geschmack etwas zu stark und dominant. Anders jedoch die mittlere Qualität, der “Mineral”: der nämlich macht auch in seiner 07er Ausgabe seinem Namen alle Ehre. Hochelegant und mineralisch tief zugleich.
5.) Olivier Horiot/Sève 2007
Der Pinot-Spezialist vom südlichen Rand der Champagne hat im schwierigen Jahr 2007 nur einen Sève produziert: einen Rosé de Saignée. Normalerweise gibt es zusätlich auch einen Blanc de Noir, das wenige brauchbare Traubenmaterial dafür ist ebenfalls in den Rosé gewandert. Der präsentiert sich dafür aber um so runder und ausgewogener. Perfekte Balance und eine tolle Textut zeichnen den 07er Sève aus.
Alles in allem war es erneut eine großartige Veranstaltung und es gäbe noch eine Menge weiteres zu erwähnen (BAM! von Tarlant oder die sehr schöne und individuelle Kollektion von P. Doquet) . Ich freue mich jetzt schon aufs nächste Jahr und hoffen, dann vielleicht endlich die Zeit zu haben, endlich auch die anderen an diesem Wochenende stattfindenden Veranstaltungen zu besuchen.
Für alle, die nach oder durch Epernay kommen zum Abschluss noch eine Empfehlung: unter dem programmatischen Namen “520” führt Pierre-Yves Cainjo einen Shop mit Champagnern und einigen ausgesuchten, charmanterweise “Vins d’Auteur” genannten Stillweinen, der mit seiner exquisiten Auswahl wohl weltweit einzigartig sein dürfte. Praktisch alle wichtigen unabhängigen Champagnerwinzer sind dort vertreten, genauso, wie einige ausgesuchte bessere Handelshäuser (große ebenso wie kleinere Familienhäuser). Ich empfehle den Besuch des Ladens eindringlich, warne aber gleichzeitig vor: bei mangelnder Liquidität löst das Betreten akute Sehnsuchtsattacken aus.


(Der Klick auf die Fotos führt zur Website mit Adresse und Öffnungszeiten)