Dem Herrn Paulsen sein Buch… (a.k.a. Monsieur, der Hummer und ich)
Die erzählerischen Vorzüge von Herrn Paulsen hatte ich ja schon hier in den leuchtensten Farben geschildert. Und auch angekündigt, dass ein Buch von ihm erscheinen würde.

Foto: Stefan Malzkorn
Inzwischen ist das Buch erschienen, und ich habe es - wie viele, viele andere auch - sofort gekauft und in einem Zug gelesen.
Das folgende wird die, die ihn kennen, kaum überraschen: Auch auf Papier ist Herr Paulsen ein höchst amüsanter und unterhaltsamer, ja, was sag ich, ein großartiger Erzähler. 17 kleine Kurzgeschichten sind in dem Band versammelt, ergänzt von jeweils einem zur Geschichte korrespondierendem Rezept. Die Mischung aus Kurzerzählungsband einerseits und Rezepten andererseits funktioniert sehr gut oder - um ein Zitat eines Zitats zu benutzen – “fügt etwas hinzu”. Genau wie auch die von Paulsen selbst gemachten Fotos (kein Wunder, arbeitet der Mann doch im “normalen” Leben als Food-Stylist), die jeder einzelnen Erzählung voranstehen.
Weshalb ich dieses Buch aber wirklich empfehlen möchte, ist wegen seines ganz speziellen Tons. Aus jeder einzelnen Geschichte, ja, aus jeder einzelnen Zeile spricht die Liebe zum Kochen, zu Produkt und Detail, vor allem anderen aber zu seinen Protagonisten. Dieser ganz spezielle, sehr, sehr warmherzige und liebevolle Blick auf die Menschen war es, der mich von der ersten Geschichte an, die ich bei ihm im Blog gelesen hatte, begeistert hat. Der Mann schreibt auf so angenehme und einnehmende (dabei aber niemals anbiedernde) Weise, dass man sich insgeheim beinah sofort wünscht, ihn zu seinen Freunden zählen zu dürfen.
Wie oft bei den Erzeugnissen kleiner aber engagierter Verlage, ist das Buch auch äußerlich ein kleines Schmuckstück geworden. Das hübsche Ligaturen-Muster auf dem Vorsatzpapier findet sich, genau wie dessen Farbe, auf den Rezeptseiten wieder, überhaupt der relative Luxus einer Schmuckfarbe für eben jene - alles das macht deutlich, dass dieses Buch nicht nur mit sehr viel Liebe geschrieben wurde, sondern auch mit ebensoviel Liebe herausgegeben. Paulsen sollte im Augenblick, als er es zum ersten Mal in den Händen hielt, ein sehr, sehr glücklicher Mann gewesen sein.
Bei all dem Lob – eine kleine Einschränkung muss ich allerdings machen. Nämlich die, dass für Menschen, die seine beiden Blogs schon etwas länger, vielleicht ja sogar von Beginn an verfolgen, wirklich Neues doch recht rar gestreut ist. Frau Isabo sieht das zwar anders, aber ich war diesbezüglich doch ein klitzekleines bißchen enttäuscht. Etwas mehr an Neuem oder gar Exklusivem hatte ich mir erhofft. Aber nun ja, dafür finden sich ja im Blog regelmässig neue kleine Perlen.
Insgesamt erhält der Band aber eine klare Kaufempfehlung. Bekanntermaßen empfehle ich für solche Zwecke ja wärmstens den lokalen Buchhandel. Kleine Verlage wie Mairisch sind jedoch auch oft dankbar für jeden einzelnen Euro, den eine Bestellung direkt beim Verlag mit sich bringt. Für die Stammkunden ebendort gibt es natürlich auch noch Amazon.
Mein Fazit: kaufen! Herr Paulsen schreibt. Sehr schön.

Stevan Paul – Monsieur, der Hummer und ich
Mairisch Verlag
ISBN 978-3-938539-12-5
