Für Männer mit Geschmack… (a.k.a Beef!)
…so steht es unter dem Lackfolien gedruckten Titel-Logo und gibt ausrufezeichen-breitschultrig und schon vom Zeitschriftenregal aus leicht testosteronmüffelnd die Richtung vor. Dazu erfährt die anvisierte Zielgruppe die für sie sicher tröstliche Gewissheit, dass man Frauen - ich zitiere wörtlich - “ins Bett kochen” kann und bekomt zudem ein Wein-Dossier verheißen, das, na was schon, “knallt”.
Als vor geraumer Zeit die Leseprobe des aktuellen Gewinners des alljährlichen hausinternen G&J-Ideenwettbewerbs im Netz stand, mutmaßte der überaus geschätzte Kollege Siepert hier, das Magazin wende sich wohl vor allem “an die Arschgeigen unter uns Männern”. Nun, wie soll ich es ausdrücken, die seit heute vorliegende erste Ausgabe ist bedauerlicherweise nicht wirklich in der Lage, den damaligen Eindruck zu zerstreuen…
Nehmen wir nur die Coverstory vom “besten Steak der Welt”. Dahinter verbirgt sich die vorsichtig ausgedrückt ziemlich alberne Idee, in einer Art Länderkampf im KO-Verfahren Fleischstücke aus verschiedenen Ländern (und von unterschiedlichen Rinder-Rassen) in insgesamt 3 Runden gegeneinander antreten zu lassen. Im recht sinnfreien weiteren Verlauf werden dann munter amerikanische Äpfel mit irischen Birnen verglichen, und die beiden verbleibenden Finalteilnehmer sind dann - für mich nicht wirklich überraschend, dafür aber im völligen Gegensatz zum Titelbild - die fettesten Fleischstücke, die zum Wettkampf angetreten waren. Das eben jener Fettgehalt wenigstens mit ein Grund dafür ist, warum sie so gut sind, erfährt die geneigte Leserschaft - im Gegensatz zur Versprechung auf dem Cover - aber leider nicht.
Alles in allem liest sich das Heft für mich, als hätte sich da eine komplette Entwicklungs-Redaktion unter massiver Zuhilfenahme von sehr viel sehr teurem Single-Malt-Whisky zielstrebig in das Stadium der frühen und extra-klebrigen Pubertät zurückgesoffen. Wir erinnern uns, das ist unter anderem jene Zeit, in der man permanent dem Fehler unterlag, schwer alberne Posen mit echter Haltung zu verwechseln. Anleitung zur Gründung eines Männerkochklubs, my Ass. Mal ehrlich, Jungs, das kann doch unmöglich Euer Ernst sein. Was dürfen wir denn für die nächste Ausgabe erwarten? Austerntest im besten Puff von Arcachon?
Für mich hinterläßt der größte Teil des Hefts den Eindruck erschütternder Dürftigkeit, einige Stellen sind auch mehr als das, nämlich ziemlich ärgerlich. Nur das fachlich rundweg saubere Wein-Dossier und die für mich tatsächlich recht innovative Idee, die Rezepte eines 4Gang-Menüs in einer Art Timeline auf einen Centerfold abzudrucken, konnten mich überzeugen. Aber für den sehr ambitionierten Heft-Preis von 9,80 ist das wirklich deutlich zu wenig.

