Journalistisches "Merchandising" (a.k.a BEEF!)
Noch ein kurzer Nachtrag zu meiner Beef!-Kritik:
Das Blog EAT beschäftigt sich mit einem Aspekt zum Magazin, der mir zwar auch aufgefallen war, aber in meiner Kritik keine Beachtung fand - dem konsequenten, nennen wir es einmal: Merchandising. Viele der Heft-Themen sind direkt und unmittelbar mit der Möglichkeit zu bestellen/kaufen/Geld-loszuwerden verknüpft. Und zwar nicht nur über den im Magazinbereich klassischen Herstellernachweis, sondern über die Website des Hefts. Dort sind nicht nur alle Zutaten für das im Centerfold vorgestellte Menue als großes Paket zu bestellen (zur dessen Preisgestaltung mehr bei EAT), sondern auch Weine, Steaks, der vorgestellte Käse und Kabeljau. Von den 9 Unterthemen auf der Startseite der Homepage beschäftigen sich 7(!) mit der Möglichkeit, etwas zu bestellen. Gut, eine davon ist die übliche Möglichkeit, sich das Heft per Post ins Haus zu bestellen. Aber die anderen sechs wollen mir etwas verkaufen, was gleichzeitig Gegenstand journalistischer Berichterstattung war.
Bei mir hinterläßt das einen ziemlich zwiespältigen Eindruck…
Natürlich haben Verlage in Zeiten massiver Anzeigeneinbrüche ziemlich starke wirtschaftliche Probleme. Die Einstellung der GOURMET nach 68 Jahren spricht da eine mehr als deutliche Sprache. Der Wunsch der Verlage, sich neue Einkommensquellen zu erschließen, ist also mehr als verständlich. Doch auf mich wirkt die direkte und unmittelbare Verknüpfung zwischen journalistischem Inhalt und kommerziellen Verkaufsinteresse ziemlich problematisch. Der Glaubwürdigkeit unabhängiger journalistischer Berichterstattung - auch das Fundament, auf dem der vielstrapazierte Begriff ”Qualitätsjournalismus” ruht - kann das auf Dauer einfach nicht gut tun. Genausowenig übrigens, wie das “Süddeutsche”-(oder waren es FAZ?)-Weinpakete und ähnliches tun.
Einerseits ist gerade das Netz wie geschaffen, um Informationsvermittlung einerseits und mercantile Interessen andererseits miteinander für Käufer und Verkäufer transparent miteinander zu verbinden. Auch dieses Blog hier “verdient” beispielsweise via Affiliate-Links an den Amazon-Käufen, die von hier aus initiiert wurden - höchst inkonsequenterweise, weil ich ja eigentlich immer empfehle, den regionalen Buchhandel zu bemühen. Andererseits fühlt sich eine zu große Nähe zwischen Berichterstattung und Produktverkauf für mich einfach nicht “richtig” an. Aber was heißt in diesem Zusammenhang “zu nah”? Das alles bleibt eine Gratwanderung. Wie weit die bei BEEF! gelingt, wird die Zukunft weisen.
Meine Meinungsbildung zu diesem Thema ist jedenfalls noch nicht abgeschlossen. Über Beiträge, Überlegungen und Anregungen dazu in den Kommentaren würde ich mich aber sehr freuen.