Vom Unterschied zwischen Haltung und Pose (a.k.a. Anonyme Köche)

Oder auch: Das Leben macht mehr Spaß mit Demi Glace

Die Anonymen Köche gehörten von Anfang an zu den wenigen (zur Zeit nur sieben) Blogs, die hier bei “Allem Anfang…” verlinkt sind. Diese Zahl ist nicht deswegen so klein, weil mir nicht mehr linkwürdige Blogs einfielen oder ich nicht mehr lesen würde, sondern vor allem, weil ich mich selbst beschränke. Sehr schweren Herzens zwar, aber dennoch: Ich möchte nämlich den Charakter der ganz persönlichen Empfehlung, die jeder dieser Links für mich darstellt, einfach nicht durch zu inflationären Gebrauch entwerten.

Ich fühle mich wirklich jedem einzelnen der verlinkten Blogs verbunden - und zwar jedem auf seine ganz eigene Art und Weise. Für Lamiacucina und Nutriculinary habe ich schon einmal versucht, das wenigstens ansatzweise in Worte zu fassen. Die gerade erschienene erste Ausgabe der BEEF! hat mich daran erinnert, dass ich das auch für die Anonymen Köche schon seit längerer Zeit vorhatte…

Auch wenn man als Foodblogger nur ein paar Pixel verbreitet. Man transportiert damit sehr wohl ganz klare Botschaften, Werte und Haltungen. Das spüren nicht nur die Foodblogger untereinander. Ein X für ein U vorzumachen ist langfristig unmöglich.

…schreibt Claudio Del Principe im Bericht über seinen Besuch der Buchmesse.  Und bringt in 4 einfachen Sätzen auf den Punkt, was sein Blog auszeichnet - und was BEEF! trotz meiner Meinung nach weitestgehend entbehrt: Haltung.

Und zwar eine mit Charakter. Eine, die ihre Legitimation aus dem Wesen einer authentischen Person bezieht und nicht aus dem Schielen auf eine zurechtkonstruierte Zielgruppe. Letzteres erzeugt im übrigen nie Haltung - es erzeugt Posen. Im Idealfall sind die wenigstens nicht albern oder lächerlich - aber der ist ja bekanntermaßen selten. Und eines sind Posen darüberhinaus immer: blutleer und irgendwie künstlich.

Wer wissen will, wie dieser Unterschied zwischen Haltung und Pose ganz konkret aussieht, dem sei ein einfacher Vergleich an Herz gelegt. Und zwar der zwischen der Titelstory der aktuellen BEEF! über “das beste Steak der Welt” und dem kleinen Juwel, das Claudio über seine vergebliche Jagd nach einem Filet während eines Urlaubs in den Marken geschrieben hat. Danach sollte klar sein, wovon ich hier rede.

Sollte der geneigte Leser übrigens keinen Unterschied erkannt haben oder vielleicht gar die kleine Steak-WM in der Beef als interessanter und “irgendwie lustig präsentiert” erachten, so empfehle ich dringend, an dieser Stelle das Lesen einzustellen und vielleicht stattdessen einfach für 650 Euro das “All-inclusive-Paket” der Beef zu bestellen. Hier bei mir im Blog werden Sie nichts finden, was für Sie von Interesse sein könnte.

Den anderen jedoch sei das Stöbern im Archiv der Anonymen Köche wärmstens ans Herz gelegt. Oder auch das Blättern im gleichnamigen Buch. Denn das gibt es jetzt auch. Zugegeben, das war jetzt kokett formuliert. Denn in der Tat müsste man die letzten Wochen schon mit sehr vernagelten Sinnen durch die deutschen Foodblogs gestolpert sein, um nicht davon gelesen zu haben. Hier zum Beispiel, oder hier. Oder hierhier, und auch hier

Nach den “Delicious Days” sind die Anonymen Köche das zweite Food-Blog, das den Sprung herüber zum Print geschafft hat. Auch ein Blog und doch ganz anders. Kein Kochbuch im engeren Sinne. Sondern ein Buch geprägt von der ganz speziellen - wir hatten das oben schon - Haltung des Autors. Darin sind einige der besten Einträge des Blogs aus den letzten Jahren versammelt. Insofern wird übrigens derjenige, der die Anonymen Köche von Beginn an liest und “Neues” sucht, enttäuscht werden. Aber auch das war ja schon an diversen anderen Stellen zu lesen. Mich hat es jedenfalls nicht gestört.

Im Gegenteil: Ich habe mich gefreut über ein Wiedersehen. Mit den Geschichten, die dafür gesorgt haben, dass ich dieses Blog nicht nur schätzen gelernt habe. Ich habe mich verstanden gefühlt, nicht länger alleine. Nehmen wir zum Beispiel die über Côtes de Boeuf…

Wie schon erwähnt, “Anonyme Köche” ist kein Kochbuch im engeren Sinne. Trotzdem finden sich darin natürlich Rezepte. Und wer sich von fehlenden Step-by-Step-bis-ins-kleinste-Detail-wird-alles-genau-erklärt-Anleitungen nicht abschrecken lässt und sich auf das Wesentliche konzentriert  -  sich nämlich vom Geist des Buches beseelen lässt, der wird mit Sicherheit zu großartigen Resultaten gelangen.

Denjenigen, deren Interesse ich geweckt haben sollte, empfehle ich wie üblich, das Buch beim analogen Buchhändler aus Fleisch und Blut (wenn Fleisch und Blut dann bitte bei den Anonymen Köchen!) zu kaufen und Riesenbuchhandelsketten dabei möglichst weiträumig zu meiden. Für diejenigen, die dazu aber keine Zeit/Lust/Whatever haben, ist hier aber dennnoch der (Affiliate-) Link zu Amazon.

Übrigens erscheinen im Blog nach wie vor regelmässig weiter kleine Preziosen. Eine hatte ich ja oben schon angeführt. Ein weiteres Schmuckstück möchte ich denen, die dort nicht regelmässig lesen, noch dringend ans Herz legen: Brodo, a.k.a die Empfangskonsommee.

DISCLAIMER:
Ich habe das Buch - wie einige andere - auf Claudios Anregung hin von GU als Freiexemplar geschickt bekommen. Ich vermelde das hier nicht aus einem wie auch immer gearteten und latent auf schlechtem Gewissen beruhenden Transparenz-Bedürfnis (warum auch -  die Zeitung, die es für nötig hielte beispielsweise ihre CD-Bemusterung vor jeder einzelnen Plattenkritik offenzulegen, würde ich gerne einmal sehen), sondern vor allem deshalb, weil mich - wie schon eingangs erwähnt - mit dem buchstiftenden Blog das Gefühl einer großen geistigen Nähe verbindet. Und so habe ich auch das Zusenden des Buchs als vor allem eines empfunden: als Auszeichnung und eine Art brüderlichen Gruß. Einer, der mich sehr gefreut und, ja, auch stolz gemacht hat. Dafür sei an dieser Stelle nochmals deutlich gesagt: Danke, Claudio!

posted Vor 4 Jahren on Oktober 27th, 2009 at 20:37 /
tags: Anonyme Köche Blogroll Claudio GU del Principe Beef!
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