If you’re here to eat…

(Essen in London, Part 1)

Der folgende Text stammt nicht von mir, sondern von meinem Freund Florian Siepert, in dessen Begleitung ich in den Jahren 2010 und 2011 London zweimal besucht habe. Während dieser Reisen konnte man buchstäblich zusehen, wie es in seinem Kopf zu arbeiten begann. Eine alte Liebe (er lebte in den 90ern schon einmal in der Stadt) erwachte. Nur wenige Monate nach dem zweiten Besuch zog er mit seiner Familie nach London. Dort hat er inzwischen nicht nur einen so großartigen Event wie den Supperclub Summit zu den Olympischen Spielen auf die Beine gestellt sondern auch noch ein wunderbares food- und reiseorientiertes Startup gegründet.

In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Essen, Trinken – und dem Verfassen von Texten, die uns Zurückgebliebenen zeigen, was wir alles verpassen. An Diejenigen, die London wenigstens von Zeit zu Zeit besuchen, wendet sich das Folgende…


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Ich beobachte mit großer Freude, wie, seit ich hier lebe, immer mehr Deutsche nach London reisen, um genau das zu tun, was mir hier auch am meisten am Herzen liegt: Essen. Okay, wir können das nach außen hin “sich gastronomisch inspirieren lassen” oder “mit allen Sinnen die Stadt erleben” oder WAS AUCH IMMER nennen, aber lasst uns untereinander vernünftig sprechen: Vier Mahlzeiten am Tag, Snacks optional, keine Kirchen, Big Ben maximal aus dem Bus sehen. Ein perfekter Urlaub.

Faktisch ist London aber erstens eine sehr große Stadt, zweitens ändern sich die Dinge permanent und drittens muss man portionsökonomisch vorgehen, um möglichst viele Dinge probieren zu können. Dieser Text ist ein übermütiger Versuch, all diese Probleme gleichzeitig zu lösen, aufgeteilt in folgende Bereiche:

  • Was ich essen sollte
  • Wo ich essen sollte
  • Wann ich essen sollte
  • Getränke
  • Unterkunft und Logistik


Was ich essen sollte

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Im Vergleich zu Deutschland hat Großbritannien eine größere Menge an saisonalen Produkten. Das liegt vor allen Dingen daran, dass hier nie eine Flurbereinigung stattgefunden hat, die Monokulturen begünstigt oder Lebensräume gefährdet hätte. Zudem – das Meer:

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Eat the Seasons ist eine herausragende Website um herauszufinden, welche Produkte gerade in Bestform sind. Einige meiner britischen Lieblingsmikrosaisons sind junges Birkhuhn (August & September), pinker Rhabarber (Januar-Februar) und Möweneier (April).

Zudem hat das UK immer noch gute Bindungen zu vielen der ehemaligen Kolonien und indische Flugmangos oder frisches Zuckerrohr sieht man in Deutschland selten. All diese Dinge sollten auf Menüs identifiziert, bestellt und gegessen werden.

Auch bei den Landesküchen gibt es Königswege: Natürlich gibt es gute italienische Restaurants in London, aber die gibt es in Deutschland auch. Wesentlich interessanter sind hier Südindien und Sri Lanka, chinesische Regionalküche, Japan von Izakaya Bar Snacks bis hin zu Sushi-Hohepriestern, Spanien und die Karibik.

Ein Großteil meiner Empfehlungen basiert aber auf aktueller britisch-französisch-internationaler Küche, dafür müsste es mal ein einfacheres Wort geben.


Wo ich essen sollte 

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Ich weiss, dass St. John und Ottolenghi für viele die beiden größten Namen in London sind. Aber die Zeit hat sich weiter gedreht und deswegen, auch wenn es schwer vorstellbar ist: durchatmen, weglassen.

Die St.-John-Schule der produkt-zentrischen, informellen Restaurants ist aber lebendiger und besser denn je.

Je kürzer die Reise, umso mehr möchte ich den Fokus auf Restaurants lenken, die sogenannte small plates servieren, kleine Probierteller, schnell serviert, schnell gegessen, the bill please, weiter.

Gute Anlaufstationen hierfür sind aktuell:

Natürlich hat aber auch ein Erwachsenenessen mit echten Tischen und Service und all diesen Dingen seinen Reiz. Aus Kosten- und Verfügbarkeitsgründen würde ich immer Lunch empfehlen. Und sofortige Buchung bei Reiseplanung. Die folgenden Restaurants finde ich faszinierend und inspirierend. Es geht dort hauptsächlich ums Essen und der Service ist in keinem von ihnen französisch anstrengend.

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Und dann möchte man manchmal leckeres und unraffiniertes Schweineessen  zu sich nehmen, die Schultern der Nachbarn spüren und viel kaltes Bier trinken. Ich finde das sehr legitim. Die besten dieser Orte finden sich abseits des Zentrums.

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Streetfood und Pop-Ups sind in ihrer Natur volatil, aber in London oftmals ein wichtiger erster Schritt für späteren Weltruhm. KERB versammeln viele Trader unter ihrem Dach und einige davon sind bemerkenswert, aktuell Bao, die vermutlich nicht mehr weit von ihrem ersten eigenen Restaurant entfernt sind. Ansonsten helfe ich aber bei Fragen nach der aktuellen Gemengelage gerne weiter.

Auf der Hot Dinners Liste finden sich alle Neueröffnungen Londons. Die Situation ändert sich wöchentlich, also empfehle ich, unbedingt auch dort nachzulesen.

Weiter zu Teil 2…

posted Vor 8 Monaten on August 21st, 2013 at 09:05 /
tags: Florian Siepert Supperclub Summit London Foodtrips
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