If you’re here to eat…

(Essen in London, Part 2)

Der zweite Teil des kleinen London-Guides meines Freundes Florian Siepert. Während das Foto von ihm im Part 1 auf genau einer der beiden Reisen entstanden ist, von denen mein kleines Intro erzählt, gibt es diesmal ein etwas aktuelleres Bild:

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(der dritte Löwe ist schon auf dem Shirt, scnr)

Entstanden Anfang dieses Jahres in Donostia/San Sebastian, wo Florians StartUp Opentrips ein unvergesslich großartiges Foodcamp (die Stammleser hier dürften sich vermutlich noch an die euphorischen Berichte erinnern) organisiert hat.

And now for some more hot London-Advice:


Wann ich essen sollte

London hat einige Eigenarten, was Essenszeiten und Gewohnheiten betrifft. Grundsätzlich sind Essens- und auch Arbeitszeiten in England starrer.

Frühstück spielt unter der Woche kaum eine Rolle, in vielen australischen Coffee Shops gibt es allerdings hervorragendes Gebäck, mit dem man sich durchaus auseinandersetzen kann. Nur am Wochenende und bei drastischem Kater sind Fry-Ups, die klassischen English Breakfasts, noch relevant. The Breakfast Club ist eine gute Anlaufstation für diese Lebenslagen, da aber für den Rest des Tages bis zum Dinner kaum mehr an Essen zu denken sein wird, empfehle ich dieses Vorgehen nur in Notfällen.

Die meisten Menschen treffen sich unter der Woche um Punkt 13 Uhr zum Essen. Gerade in beliebten Restaurants empfiehlt es sich demnach, entweder gegen 12 oder ab 14:15 Uhr zu erscheinen, wenn man keine Reservierung hat. Zahlreiche erfolgreiche Restaurants bieten keine Reservierungen mehr an, um ihren Umsatz zu maximieren. Zu Hauptzeiten können die Schlangen drastisch werden. Außerhalb von Zone 1 ist Lunch oftmals eine sehr ruhige Angelegenheit.

Dinner beginnt früher als in Deutschland und die Schlangen formieren sich ab kurz vor 6. Ich persönlich esse lieber mit Reservierung zu Abend, als Stunden auf der Suche nach einem Tisch durch Soho zu irren, aber ab 21 Uhr wird es auch hier wieder ruhiger. Grundsätzlich wird es schwierig, später als 22 Uhr ein Abendessen zu beginnen. Dann schlägt für mich die große Stunde von Chinatown. Lizzie Mabbott hat einen guten Guide für die Gegend verfasst.

Auch wenn laut Menü keine Drinks ausgeschenkt werden, kann es sich nach Mitternacht lohnen, in Chinatown nach Special Tea zu fragen, einer Spezialität die kalt, mit Kohlensäure und Hopfenaroma in der Teekanne serviert wird.

Freitag und Samstag sind natürlich die beiden großen Abende in Londoner Restaurants, ich persönlich gehe dann lieber laut und fröhlich mit Freunden Pizza oder Xinjiang-chinesisch außerhalb des Zentrums essen, die ungeübteren Restaurantgäste auf Wochenendreisen oder Second Dates machen die Arbeit des Servicepersonals schon schwer genug.

Sunday Lunch hat einen besonderen Platz im Herzen der Engländer. Der gesamte Sonntag ist dem Daytime Drinking gewidmet, einer wunderbaren Aktivität, für die die leichten Session Biere in den Pubs knapp unter 4% Alkohol bestens geeignet sind. Als Grundlage aber wird gegessen und auch wenn ich jetzt zahlreiche Optionen für einen großartigen Sunday Lunch nennen könnte, möchte ich mich auf meinen Favoriten beschränken: The Canton Arms.

Eine Alternative für Sonntag sind Dim Sum.  Ich mag Leong’s Legends und Princess Garden sehr gern. Am Sonntag abend ist es sehr ruhig in der Londoner Restaurantszene. Aber meine Güte: Wir haben groß zu Mittag gegessen und sind rechtschaffen betrunken, let’s call it a night.

Sowohl am Sonntag als auch am Montag findet man in interessanten Londoner Restaurants Grüppchen von jungen, tätowierten Menschen mit Brandmarken auf den Händen. Wer die Konstitution hat, um mit Köchen zu trinken, dem sei unbedingt die Annäherung empfohlen, um weitere Tips zu erhalten.


Getränke

Kaffee

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Ein ordentlicher Third Wave Coffee, serviert von einem jungen Menschen mit komplizierten Tattoos und einem Hemd, das an 1993 erinnert. So beginnt ein guter Londoner Tag. Die meisten Etablissements sind fest in australischer Hand.


Wein

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Aufgrund steuerlicher Regelungen sind alkoholische Getränke, vor allen Dingen aber Wein, in England teuer. Allerdings sind hier viele Weine verfügbar, die in Deutschland keine Vertriebe haben. Gerade im Bereich Natural Wine und bei hochqualitativen Australiern & kleinen Franzosen ist das Angebot deutlich größer. Ein sehr guter Hack, um diese Weine günstig bei einem sehr guten Lunch trinken zu können:

  1. Bei Noble Fine Liquor und 259 Hackney Road hervorragende Weine kaufen.
  2. In der Rochelle Canteen blog einen Tisch buchen.

    (Update XI/13: 259 Hackney Road hat zugemacht, wird aber im Frühling nächsten Jahres IN BERLIN einen Laden eröffnen, irrsinnig gute Neuigkeiten für Deutschland sind das. Dafür sind weitere Weinbars mit Essgelegenheit hinzugekommen: Toast Dulwich, mit Ex-Ledbury Küchenchef und sehr meinungsstarker 200 Positionen-Karte (dh. überhaupt kein Bordeaux etc etc), Green Man French Horn mit ausschließlichem Loire-Fokus und beeindruckender Repertoiretiefe und The Remedy, sehr gute Charcuterie, sehr interessante Liste am freakigeren Ende von Natural.)

Die Rochelle Canteen hat keine Alkohollizenz und verlangt ein Korkgeld von £5 pro Flasche. Dafür gibt es Gläser und Kühler.

Die Champagnerliste bei Bubbledogs ist sehr attraktiv und voll von seltenen Dingen. Dazu gibt es Hotdogs. So viel zum Namen.


Bier

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London hat eine fantastische Craft Beer Szene. Die Craft Beer Co. Dependance in Islington ist die einzige Filiale der Kleinkette, die nicht irrsinnig ungemütlich ist, die ausgeschenkten Biere sind überall hochspannend. Ich persönlich mag auch unprätentiösere Pubs wie das King’s Arms , Wenlock Arms oder The Earl Ferrers mit ein paar Bieren on tap, ein paar Flaschen und echter Nachbarschaftsatmosphäre. Im Southampton Arms gibt es eine großartige Selektion von Cider, zudem Pork Pies und ein Piano. Gute Pubs können wunderschöne Orte sein. Im Fall der Fälle kann man darauf vertrauen, dass Pubs, die bei Beer In The Evening mit mindestens 7 Punkten bewertet wurden, gut sind.

Aus der großen Menge Londoner Brauereien stechen für mich Beavertown - wenn man Craft Beer amerikanischer Machart mag - und Sambrooks für englische Ales heraus.


Unterkunft und Logistik

Um möglichst reibungslos möglichst viele kulinarische Highlights abhandeln zu können, ist der Standort nicht unbedeutend. Aufgrund meiner Empfehlungen würde ich vorschlagen, entweder in Elephant & Castle oder in King’s Cross unterzukommen, beides ist hervorragend angebunden, aber nicht zwingend visuell attraktiv. Auf jeden Fall gilt es, den Westen der Stadt zu vermeiden. Hotels sind in London generell nicht ihr Geld wert, ich habe in der Vergangenheit erfolgreich Airbnb genutzt. Zweiter wichtiger Punkt ist die sofortige Anschaffung einer Oyster Card für den Nahverkehr, die mit Geld aufgeladen wird und je nach Fahrtenmenge entscheidet, ob man für Einzel- oder günstigere Tageskarten zahlt.

Zudem sind über Anbieter wie Giffgaff oder Three sehr günstige SIM-Karten zu beziehen, mit denen man sorglos zum neunten Mal auf Google Maps nachsehen kann, wo man sich soeben verlaufen hat. Genauso wichtig ist London Citymapper, eine Machetenapp für den urbanen Dschungel. Alles weitere ist optional.

Die obenstehenden Empfehlungen und Ideen basieren nahezu ausschließlich auf der Qualität der angebotenen Speisen und Getränke. Das Ledbury hat zwei Sterne und die dem angemessene Atmosphäre, im Tasty Jerk Centre hat man manchmal ein bisschen Angst vor der Kundschaft und die Rauchentwicklung im Lokal ist aggressiv. Die Liste funktioniert demnach am besten für Menschen, die aus vollem Herzen und ohne Rücksicht auf Verluste gern essen und trinken.

Wenn der Bedarf besteht, für eine Londonreise ein spezielleres Paket zusammenzustellen, helfe ich gern, am Einfachsten bin ich per Mail unter florian@opentrips.co.uk zu erreichen.

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posted Vor 12 Monaten on August 22nd, 2013 at 08:43 /
tags: Florian Siepert London Opentrips Foodtrips
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