7 bis 10 Jahre alter Beemster…

Unter deutschen Urlaubsfreunden gilt ja gemeinhin das Vorurteil, dass die Niederlande zwar über jede Menge 1A-Nordsee-Strände verfügten, in Sachen kulinarischer Höhepunkte eher starke Ähnlichkeiten zu ihrer geografischen Konstitution aufwiesen: beides eben ziemlich flach.

Und zugegeben, im Vergleich zu Frankreich, Italien oder Spanien sind die kulinarischen Highlights in Holland eher sparsam gestreut. Trotzdem aber gibt es ein paar. Wie beispielsweise den Zeekraal (deutsch: Queller, französisch: Passepiere), über den ich inklusive einiger Rezepte schon mehrfach geschrieben (hier oder hier zum Beispiel) habe.

Eine andere Ausnahme seht ihr oben auf dem Bild: Beemster Käse, in diesem Fall in einer ultragereiften Variante. Beim Beemster allgemein handelt es sich grob vereinfacht um eine in der Nähe von Alkmaar beheimatete lokale Variante des Gouda. Eine Variante allerdings, die mit dem üblichen ausdrucks- und geschmacklosen Massen-Gouda ungefähr so viel zu tun hat, wie eine Flasche Chateau Margaux mit einem 3,29€ Bordeaux aus dem Supermarkt. Beemster wird unter deutlich erhöhten Qualitätsanforderungen produziert, darüber hinaus ist die Firma sehr engagiert in Fragen von Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Wer mehr wissen will, findet die einiges an Infos auf der Beemster-Website.

Der älteste im Standard-Sortiment zu erwerbende Beemster ist der mind. 26 Monate gereifte X.O. Das Stück oben auf dem Foto ist allerdings noch deutlich älter, nämlich zwischen 7 und 10 Jahre lang gereift. Ja, so alten Käse gibt es (auch “normalen” Gouda - jedenfalls in den besseren  Käseläden in den Niederlanden). Seine Farbe ist mittelbraun, ungefähr so, wie die eines mit nur einem kleinen Schuß Dosenmilch versehenen Filterkaffees. Der Geschmack ist erwartungsgemäß ungemein intensiv und langanhaltend, die Konsistenz kristallin-salzig. Der Käse ist eine reine Umami-Bombe. Trotzdem hat der Käse aber nichts penetrantes oder aufdringliches. Er tatsächlich das Kunststück zustande, sanft-weich und intensiv-dicht zur gleichen Zeit zu sein. Wirklich ein echtes Erlebnis.

Schneiden lässt er sich übrigens kaum noch, nicht umsonst wird im niederländischen diese Reifestufe auch unter der Bezeichnung “Brokkelkaas” verkauft. Aber als Scheibe auf dem Brot wäre er sowieso deplaziert. Am besten genießt man ihn pur - vielleicht noch begleitet von etwas nicht zu saurem Obst (besser Birne denn Apfel). Ähnliches gilt für einen korrespondierenden Wein. Etwas restsüßes und fruchtiges darf es schon sein. Viel Säure oder gar Tanin sind aber eher unerwünscht. Ich könnte mir moderat Restsüßes von der Loire gut vorstellen…

posted Vor 8 Monaten on Juni 13th, 2011 at 11:12 /
tags: Beemster Brokkelkaas Gouda Holland Niederlande
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