Geburtstagsgeschenke (a.k.a. Herr Paulsen las in Ehrenfeld)

Ein Zufall? Blödsinn, ein Zeichen. Von oben, unten oder woher-auch-immer. Ganz sicher aber ein Omen und zwar ein verdammt gutes dazu. Denn, dass ausgerechnet in der Nacht, in der Allem Anfang… eben seine Anfänge feiert, der von mir über alle Maßen geschätzte Herr Paulsen in der Stadt weilte, um aus “Monsieur, der Hummer und Ich” zu lesen, war an schicksalshafter Dramaturgie schon fast etwas zuviel des Guten. Ernsthaft, ich als Autor würde mir derartige Koinzidenzen in einer Erzählung nicht erlauben. Als einfaches Blogg-Geburtstagskind habe ich mich darüber jedoch gefreut wie blöde.

Zugegeben, an der Tatsache, dass Stevan schon einen Tag vor der Grimme-Online-Awards-Verleigung angereist ist, war ich nicht ganz unschuldig. Die Idee, diese Gelegenheit für eine Lesung Herrn Paulsen hier in Köln zu nutzen, hatte ich nämlich unmittelbar, als ich von seiner Nominierung las. Und schon wenige Mails später stand fest, dass daraus tatsächlich etwas werden würde. 

Und was daraus wurde. Wow, was für ein grandioser Abend! Und ein auch für mich überraschender dazu - auch für mich. Denn, dass Paulsen ein ziemlich guter Geschichtenerzähler ist, wußte ich zwar schon vorher, schließlich lese und schätze ihn von Anfang an. Ich war es also ganz bestimmt nicht, der damals als ersten Kommentar in seinem Antville-Kiosk “Gehen Sie hier weg. Sie langweilen!” hinterlassen hat. Aber, dass er auch ein großartiger Vorleser ist, das war mir so vorher nicht klar. Denn, machen wir uns da nichts vor, das Talent, das mühsam zu Papier gebrachte adäquat in auch nur ansatzweise zuhörerfreundliche Schallwellen umzuwandeln, zu - wie das heute so schön neudeutsch heißt: performen, dieses Talent ist speziell unter den literarisch-schöpferisch Tätigen dieser Republik nicht unbedingt mit Gießkannen verstreut worden.

Herr Paulsen aber hat, um nochmals eine Neusprech-Formulierung zu benutzen (und die bevorzugte eines Musikers seiner Heimatstadt zudem), hier in Ehrenfeld amtlich abgeliefert. Gute Güte, an dem Mann ist wirklich ein Entertainer verloren gegangen. Denjenigen, die Stevan schon einmal lesen gehört haben, wird das alles nichts Neues sein. Den anderen sei aber eindringlichst ans Herz gelegt: Stevan Paul liest irgendwo bei Ihnen in der Nähe? Nutzen Sie die Gelegenheit und gönnen sich einen extrem amüsanten und unterhaltsamen Abend. Umgeben sich mit einer Menge gut gelaunter bis Tränen lachender Menschen.

Was mir bleibt, ist mich zu bedanken. Zu allererst natürlich bei Stevan für den großartigen Abend, aber auch bei Marco Kramer vom Marien-Eck für das schnelle und unkomplizierte Möglichmachen der Lesung sowie bei seinem Koch, Andreas Prophet, für das eigens für die Lesung konzipierte und von Stevans Geschichten inspirierte Menue.

An Besuchern hat es übrigens auch nicht gemangelt - wofür ich michebenfalls bedanke möchte - und so stellt sich mir im Moment die Frage, ob diese wirklich sehr gelungene Veranstaltung am Geburtstag von “Allem Anfang…” nicht eventuell ihrerseits zum Anfang einer Reihe vieler weiterer kulinarischen Küchenlesungen werden könnte.


Schaun wir mal, was die Zukunft in dieser Richtung noch bereit hält…

posted Vor 1 Jahr on Juli 2nd, 2010 at 21:14 /
tags: Monsieur Stevan Paul Herr Paulsen Lesung Marien-Eck Geburtstag
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