Note to myself…

Auch ein Fundstück von der Prowein: Urkorn-Bier. Demterzertifiziert, biodynamisch, aus dem Burgenland.
Wem es mal über den Weg läuft - probieren, es ist rundweg empfehlenswert!

Auch ein Fundstück von der Prowein: Urkorn-Bier. Demterzertifiziert, biodynamisch, aus dem Burgenland.
Wem es mal über den Weg läuft - probieren, es ist rundweg empfehlenswert!
Noch eine kleine Randnotiz vom Kurztrip nach London. Auf einer Restaurant-Messe, die von ein paar hervorragenden britischen Käse einmal abgesehen, wenig berichtenswertes brachte, hatte ich die Gelegenheit, das hier zu probieren…

Ich darf vorstellen: INEDIT, das vom spanischen Brauereikonzern Estrella Damm in Zusammenarbeit mit Ferran Adria, Juli Soler,dem Restaurantleiter des El Bulli, sowie seinen 2 Sommeliers Ferran Centelles and David Seijas entwickelte Luxus-Bier.
Ob “Spanisches Bier” nicht ein Oxymoron sei, fragt sich der Guardian am Anfang seines Berichts über INEDIT ein wenig scheinheilig. Um aber dann doch schnell festzustellen, dass dieses Bier mit dem für gewöhnlich sehr eingeschränkten Vergnügen, dass Cruzcampo, San Miguel und Co. normalerweise liefern, nur wenig zu tun hat. Dieses Bier ist tatsächlich anders, nein mehr als das - es ist entschieden besser.
Konzipiert wurde INEDIT ganz explizit als Essensbegleitung für die gehobene Gastronomie. Folgerichtig signalisiert schon champagnerartige Aufmachung der Flasche mehr als deutlich, dass “Pommes Schranke” nicht unbedingt die der Entwicklung zugrundeliegende Vorstellung des zu begleitenden Menues war. Auch die Empfehlung, es in allenfalls zur Hälfte gefüllten Weingläsern auszuschenken, spricht eine deutliche Sprache. Die New York Times bringt es auf eine einfache Formel: “A beer that behaves like a wine.”
Wie nicht anders zu erwarten, wenn einer der kreativsten Köche der Welt an der Entwicklung beteiligt ist, werden einige Dogmen des Bierbrauens ganz en passant pulverisiert: Denn zum einen handelt es sich bei INEDIT um eine - bei Bieren doch eher unübliche - Cuvee. Genauer gesagt um eine 70/30 Mischung aus einem Bier Pilsener Brauart und einem klassisch aus Weizen gebrauten Weißbier. Zudem ist das Bier - und an dieser Stelle verlassen wir vollständig den Boden des deutschen Reinheitsgebots - gewürzt. Koriandersaat, Orangenschale und Lakritz/Süßholz nennt die Estrella-Homepage als aromatisierende Zugaben. Die sind zwar sehr dezent eingesetzt, aber eben doch durchaus wahrnehmbar.
Was dem Besucher eines deutschen Mittelalterfestes vielleicht ein begeistertes Aufkreischen entlocken würde (“Gewürzt ist er, der edle Trunk!”), löst bei meinem inneren Bierpuristen jedoch erst einmal einen mehr als soliden Skepsis-Reflex aus. Ein Reflex, der sich jedoch nach dem Probieren als eher unnötig herausstellt. Denn das Bier ist durchaus trinkbar, ja, mehr als das, es hat tatsächlich eine gewisse Eleganz und Finesse. Die Weizen-Komponente gibt ihm eine fruchtig-feine Frische, dazu über ein wenig im Bier verbliebene Hefe auch aromatische Tiefe und ein leicht wolkige Trübung. Der Kohlensäuregehalt des Bieres ist sehr moderat, im Abgang dominieren eher die würzigen Noten, begleitet von einer äußerst dezent gehaltenen Hopfen-Bitterkeit.
Das ist alles wirklich nicht uninteressant, wenn auch sicher nicht die Revolution, als die uns das Marketing von Estrella-Damm das Bier verkaufen möchte. Angeblich habe die Entwicklung der Rezeptur über 2 Jahre und hunderte versuchter Varianten benötigt (es gibt auch Quellen, die sogar von 4 Jahren Entwicklungszeit sprechen). Der schon weiter oben erwähnte Bericht im Guardian prophezeit übrigens, das sich an diesem Bier die Geister scheiden werden und zitiert einen Kritiker mit dem recht bösen Wort vom “Bier gemacht von Menschen, die offensichtlich kein Bier mögen”. Andererseits spricht er selbst vom “wohl besten spanischen Bier”. Wem es also einmal selbst über den Weg laufen sollte, dem empfehle ich, die 10 bis 15 Pfund (Angabe des britischen Importeurs über den angestrebten VK im Restaurant) zu investieren und sich ein eigenes Urteil zu bilden.
Wer übrigens angesichts dieser Tarife dezent erbleicht und mißmutig die schleichende Gentrifizierung jetzt auch des weltweiten Brauwesens konstatiert, dem empfehle ich vom dem Anstimmen der Internationale oder gar dem Bau erster Barrikaden in Spanien einen Blick hier auf das unlängst bei Captain Kork vorgestellte heimische Fuerst Wallerstein 1598 Edition Privee zu werfen. Von dessen - ich zitiere - nur einmal im Jahr von Hand angesetzten Sud (natürlich unter persönlicher Aufsicht seiner Durchlaucht des Fürsten) gibt es die 0,75l-Flasche (historischen Champagner-Modell) für den Schleuderpreis von 90 €. Dagegen nehmen sich die vermutlich rund 15€, die das INEDIT auch in hiesigen Spitzen-Restaurants kosten wird, doch glatt als revolutionär-bürgerlicher Kampfpreis aus.
Edit: Der Edekaner kennt sogar eine deutsche Bezugsquelle, zudem mit deutlich moderateren Preisen. Ich zitiere aus seinem Kommentar…
Wer es probieren möchte Freund und Kollege Christian Fenske in Wuppertal verkauft es für 5,99. Ich war nicht so überzeugt davon, aber Bier ist auch nicht so mein Dingen.
Hier der Link http://www.weine-feinkost.de/shop/index.php
Abschließend noch der Link zur Homepage des Bieres, auf der sich noch ein paar Videos (u. a. mit F. Adria) zu INEDIT finden.