Nr. 7 lebt… (a.k.a. Perlwein, halbtrocken)
Aufmerksamen Lesern dieses Blogs wird im Laufe der Zeit sicher nicht entgangen sein, dass ich insgeheim ein Faible für kulinarische und vinologische Underdogs habe. Produkte, die sich keiner oder nur geringer Wertschätzung innerhalb der Gemeinde der kulinarisch Interessierten erfreuen, erregen stets im besonderen Maße meine Aufmerksamkeit und oft genug auch meine ganz besondere Zuneigung.

Genau so ein Underdog, und das gar gleich in dreifacher Hinsicht, leuchtet dort oben im Glas. Denn es handelt sich erstens um eine Art Perlwein, der zweitens auch auch aus der vermeintlich minderwertigen Rebsorte Gamay gekeltert und zudem drittens deutlich schmeckbar restsüß ausgebaut wurde. Sowas geht für den fortgeschrittenen Weinfreund kurz gesagt eigentlich überhaupt nicht.
Weshalb ich den Erstkontakt mit dem Getränk übrigens auch nicht der Weinkritik verdanke, sondern meinem alles andere als virtuellen Freund Florian “the-man-who-invented-porkcamp” Siepert. Der hatte es während dieser Veranstaltung im Rahmen des dortigen Lunchs kennengelernt und war hinreichend beeindruckt, um sich im Nachhinein für Details zu interessieren. Die Folge: ein paar Probeflaschen machten sich auf dem Weg nach Hamburg, eine davon wurde gerade noch rechtzeitig umgelenkt nach Köln.
Wo waren wir noch gleich? Ach ja, bei sowas geht ü-ber-haupt nicht! Doch, erwidere ich, geht. Sogar verdammt gut. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner Herstellungsart. Die erfolgt nämlich ohne die für Schaumweine wie Champagner, Cremants, Spumantes, Cavas und deutsche Sekte obgligatorische 2. Gärung. Das Zeug ist übrigens trotzdem sektsteuerpflichtig – warum, dass ist inklusive der Tatsache, dass wir Deutschen nach wie vor mit zur Zeit 1,02€ pro 1/1-Flasche des alten Kaisers Wilhelms Kriegsmarine finanzieren, eine andere sehr lange und komplizierte Geschichte.
In Frankreich nennt sich diese Art der Herstellung – die übrigens um einige Jahrhunderte älter ist, als die Champagner-Methode – methode rural oder auch methode ancestrale. Bei dieser Methode gärt der Most bis auf eine Alkoholstärke von ca. 6%, um dann nur leicht filtriert auf der Feinhefe weitergärend in Flaschen gefüllt zu werden. Da bei der Methode “normale” Hefen und keine Champagner-Hefen (die bis zu wesentlich höheren Alkohol/Co2-Gehalten weiterarbeiten) verwendet werden, stoppt die Gärung verhältnismässig früh. Das Resultat: ein erfreulich geringer Alkoholgehalt (von ca. 8%) sowie eine deutlich schmeckbare Restsüße.
Das ist für einen Freund von klassisch trockenem Schaumwein erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich einmal von seiner Erwartungshaltung gelöst hat, durchaus von Reiz. Zur deutlichen Restsüße gesellt sich nämlich eine ungemein intensive und anhaltende Primärfrucht, deren Aromatik klar von der Beaujolais-Rebe Gamay geprägt ist. Süß, fruchtig, nicht zu alkoholstark und leicht kohlensäuresprudelnd – eigentlich hat man es hier eher mit so einer Art natürlich hergestelltem Alko-Pop zu tun.
Und wenn man das Getränk mit diesen Augen betrachtet und eben nicht mit denen des Wein-Snobs, dann macht es plötzlich nicht nur eine Menge Spaß, es ist vernünftigem Wein oder richtigem Sekt sogar überlegen. In bestimmten Situationen jedenfalls. Wie auf der nachmittäglichen Grillterrasse. Die expressive Fruchtaromatik paßt gut zu Röstaromen vom Grill (und ist auch in der Lage, sich gegen diese auch zu behaupten) und der niedrige Alkohol mindert ganz erheblich die Gefahren, die der Kombination von praller Nachmittagssonne, wohlschmeckenden alkoholischen Getränken und glühender Grillkohle nun mal innewohnen. Kurzum, man läuft nicht schon nach dem zweiten Glas Gefahr, strunztrunken in den Glut zu torkeln.
Übrigens, so sieht das Etikett aus:

Mehr Fotos, auch von der Flasche, gibt es, wenn die eine Palette, die sich nach Ostern hoffentlich auf den Weg nach Deutschland macht, angekommen sein wird. Dann gibt es auch noch ein paar Sätze zur Côte Roannaise, wo “le 7” entsteht, zu seinem Macher und zum Hintergrund der Namenswahl.
Vor allem aber gibt es dann auch einen Link für diejenigen, die so neugierig geworden sind, dass sie “le 7” selbst probieren wollen…
UPDATE 23.5: hier nun also der Link zu Bestellmöglichkeit
“Le 7”,
vin mousseux aromatique de qualité
Domaine du Fontenay
Isabelle & Simon Hawkins, 42 155 Villemontais, France
Besides: so ganz alleine sind wir mir unserer Einschätzung der Qualität dieses Wein-Underdogs nicht. Eine der letzten Lieferungen von “le 7” ging beispielsweise gen Kopenhagen. Genauer gesagt zur Strandgade 93, ins NOMA das so-called beste Restaurant der Welt.
