Kleine Warenkunde: Kerbelknolle (a.k.a. Erdkastanie)

Es hat viele Vorteile, wenn man einen Lebensmittel-Händler wie den Edekaner in erreichbarer Nähe hat. Nicht nur, dass das Sortiment für einen Supermarkt wirklich von exorbitanter Qualität ist, es einen Metzger gibt, der sein Handwerk wirklich noch versteht – nein, dankenswerterweise bloggt der Chef auch sofort, wenn Neues und Interessantes den Weg in sein Sortiment gefunden hat.

Kerbelknollen waren es, die diesmal meine Aufmerksamkeit erregten. Hatte bisher noch nie von gehört, aber wer einmal das Vergnügen hatte, beim Chef des Hauses zum Essen eingeladen zu sein (dazu ist auch noch eine LobhudeleiBericht mehr als überfällig), weiß, dass man gut daran tut, seinen Produkt-Empfehlungen folgen. Der Man weiß in aller Regel verdammt genau, wovon er redet.

Sehr selten und rar sind sie und - auch das sei an dieser Stelle nicht verschwiegen - dementsprechend teuer. Die Optik ist eher unscheinbar, sie erinnern an etwas zu klein geratene Pastinaken, sind aber im ungeputzten Zustand in der Farbe eine Spur dunkler, ungefähr so, wie ein heller Milchkaffee.

Nach der Ernte im Juli reifen die Knollen noch drei bis vier Monate in feuchtem Sand nach, bevor sie dann im November auf den Markt kommen. Das hört sich nicht nur aufwendig an - das ist es auch, was auch erklären könnte, warum sie so gut wir nicht kommerziell angebaut werden und damit hier bei uns verhältnismässig schwer zu bekommen sind.

Was um so unverständlicher ist, als das der Geschmack der Knollen von wirklich bemerkenswert Delikatesse ist. Ich habe, den Empfehlungen des Edekaners folgend, die Erdkastanien unter fließendem, lauwarmen Wasser gebürstet - worauf sie ihre wahre, fast weiße Farbe zeigen und zugleich beginnen, ein ungemein feines und dezentes Kerbelaroma zu entwickeln.

Danach habe ich die Knollen in ungefähr haselnussgroße Würfel geschnitten. Einige vorab probierte Stücke ergaben die theoretische Eignung auch für den Einsatz in Rohkost-Salaten. Nussige, an Kastanien erinnernde Aromen und eine schöne, nicht zu harte Konsistenz.

Aber ihre wahre Größe zeigen die Knollen nach der Zubereitung in der Pfanne. Butterschmalz, mittlere Hitze, 7 bis max. 10 Minuten. Dazu etwas schwarzer Pfeffer, Salz (aus Konsistenzgründen in diesem Falle Fleur de Sel oder Maldons) und feingewiegter frischer Kerbel. Mehr braucht es eigentlich nicht.

Die Würfel bekommen ein schöne goldbraune Farbe und entwickeln einen leicht cremigen aber nicht zu mehligen Biss. Der Geschmack erinnert zum einen tatsächlich frappierend an Esskastanien, dazu gesellen sich aber noch erdige und an Pastinaken oder intensive Mohrrüben erinnernde Töne. Über allem liegt eine deutlich wahrnehmbare und anhaltende Süße.

Dazu kann ich mir die Avocado-Creme, die der Edekaner in seinem Rezept vorschlägt sehr gut vorstellen, wir haben die gebratenen Würfel allerdings pur zu einem Feldsalat mit Senf/Himbeer-Vinaigrette genossen. Auch eine Kombination bissfest gegarten braunen Champions oder Pfifferlingen könnte ich mir gut vorstellen.

Wenn ich denn nochmal das Glück haben sollte, welche zu bekommen. Dann liefere ich auch das Foto der fertig zubereiten Knollen nach, versprochen. Diesmal fiel es leider unter den Tisch. Ich habe es angesichts der Köstlichkeit vor mir auf dem Teller schlicht und ergreifend vergessen.

EDIT 25.11: Zur Zeit sind die Knollen beim Edekaner in der Dürener Str. 199-203 wieder zu haben. 

posted Vor 1 Jahr on November 21st, 2010 at 14:30 /
tags: Kerbelknolle Erdkastanie Kerbelrübe Kerbelwurz Knollenknobel Edekaner
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