Voll die Seuche… (a.k.a. Jahrgang 2014)

Mein Gott, was hatte der Jahrgang vielversprechend angefangen: Austrieb und Blüte gut 3 Wochen vor dem langjährigen Mittel. Ein Jahrhundertjahrgang könne es werden, raunte es Allerorten, so groß wie 1975 wohlmöglich. Wenn es denn endlich einmal regnen würde. Denn, aus der Perspektive von heute scheint es fast absurd, die Hauptsorge der Winzer bis Anfang/Mitte Juni galt den über Winter ausgetrockneten Böden.

Dann begann es endlich zu regnen – Erleichterung allerorten –  …und hörte nicht mehr auf. Auf die Erleichterung folge Ernüchterung, auf die Stirnrunzeln und leichte Sorge und auf die schließlich kopfschüttelndes Entsetzen. Der nicht enden wollende Regen verwandelte 2014 Zug um Zug von der potentiellen Jahrhundertausgabe zur Jahrgang gewordenen Enzyklopädie der Rebkrankheiten.

Und während die Winzer um uns herum Zug um Zug mit der Lese begannen, haben wir immer immer noch gepokert. “Jage die letzte Süße in den schweren Wein”, ihr kennt das. Mit dem Ergebnis, dass es nach der Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden Wetterumschwungs plötzlich ganz, ganz schnell gehen musste. Notlese, damit vor dem nächsten Regen die jetzt schon deutlich angegriffenen und zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aufgeplatzte Trauben nicht noch einen Regenguss zum Opfer fallen. Was davor nicht gelesen würde, wäre, soviel ist sicher, innerhalb weniger Tage Fäulnis und Essig zum Opfer gefallen.

Letzterer war eh schon recht präsent im Weinberg: eine strenge Selektion, um die zum Teil schon essigstichigen Exemplare auszusondern, war notwendig. Am Dienstag waren dann also die 3 Mannwerker, die kurzfristig in den Wingert konnten mit 4 weiteren Helfern damit beschäftig hereinzuholen, was hereinzuholen war. An fast jeder Traube wurde gerochen, bevor sie in Lese-Bütte kam. Die gute Nachricht nach all den schlechten: wir sind vollständig durch unsere beiden Parzellen durchgekommen, es wird ein Mannwerk 2014 geben.

Nicht viel zwar, aber angesichts der Umstände und des Totalausfalls im letzten Jahr doch immerhin 350 bis 400 Flaschen. Und 86° Öchsle Mostgewicht sind angesichts der Wetterlage in der zweiten Hälfte der Vegetationsperiode jetzt auch nicht so schlecht.

Das Fäßchen für unseren 14er ist ebenfalls schon ausgewählt. Ob der Wein – boytritisch, wie er ist – tatsächlich bis ins Trockene durchgärt wird man sehen. Auf die sonst von uns deutlich bevorzugte Spontangärung haben wir jedenfalls angesichts dieses Traubenmaterials verzichtet. Alles weitere… Nun ja, wenn man etwas lernt, beim Weinmachen, dann ist es, sich allzu voreilige Prognosen abzugewöhnen.

Aber soviel ist natürlich jetzt schon sicher: der 15er, das ist ganz klar, wir auf jeden Fall ein Jahrhundertjahrgang…

posted Vor 6 Tagen on Oktober 16th, 2014 at 11:00 /
tags: Mannwerk 2014 Seuchenjahr
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Es wird ein Wein sein… 
First pic of the without much doubt awesome vintage 2013, taken last monday at St. Aldegunder Himmelreich/Mosel.
Ein gute Gelegenheit, Achim Bergmann – Herz, Seele, Motor und Gründer des unfassbar großartigen Münchener Trikont Labels – nachträglich herzlich zum 70sten Geburtstag zu gratulieren.
Der Klick auf’s Foto führt übrigens zu einem halbminütigen Auschnitt einer besonders wein-affinen Trikont-Veröffentlichung. Der Klick h-i-e-r-h-i-n zur Bestellmöglichkeit der gesamten CD. Den Link zu einem der diversen Download-Portale mit der Möglichkeit nur diesen Song herunterzuladen bitte ich – (noch) mangels Downloadmöglichkeit beim Label selbst – im Bedarfsfall selbst zu ergoogeln…

Es wird ein Wein sein… 

First pic of the without much doubt awesome vintage 2013, taken last monday at St. Aldegunder Himmelreich/Mosel.

Ein gute Gelegenheit, Achim Bergmann – Herz, Seele, Motor und Gründer des unfassbar großartigen Münchener Trikont Labels – nachträglich herzlich zum 70sten Geburtstag zu gratulieren.

Der Klick auf’s Foto führt übrigens zu einem halbminütigen Auschnitt einer besonders wein-affinen Trikont-Veröffentlichung. Der Klick h-i-e-r-h-i-n zur Bestellmöglichkeit der gesamten CD. Den Link zu einem der diversen Download-Portale mit der Möglichkeit nur diesen Song herunterzuladen bitte ich – (noch) mangels Downloadmöglichkeit beim Label selbst – im Bedarfsfall selbst zu ergoogeln…

posted Vor 1 Jahr on Mai 23rd, 2013 at 00:06 /
tags: Mannwerk St. Aldegund Himmelreich Trikont Achim Bergmann
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FUTUR 2 (a.k.a. Startschuss 2013)

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Es kann eigentlich nur noch ein paar Tage dauern bis zur ersten Pressenmeldung des DWI mit qualitativen Einschätzungen zum Jahrgang 2013. Und auch, wenn die zentrale Marketing-Einrichtung der deutschen Weinwirtschaft jedes Jahrs aufs neue gelinde Verwunderung produziert angesichts ihrer fast augurenhaften Fähigkeit zur Einschätzung weit in der Zukunft liegender Qualitätszustände, so ist ihr doch ein Verdienst hoch anzurechnen. Sie aninmiert nämlich regelmässig zum Gebrauch einer grammatikalischen Form, die ein kümmerliches Schattendasein im aktiven Sprachschatz der meisten Normalbürger fristet: die vollendete Vergangenheit, kurz Futur zwei. Er wird geworden sein, der deutsche Wein. Und zwar, wenn es nach dem DWI geht, qualitativ höchst überzeugend, wenn nicht gar Spitzenklasse. Da braucht man keinen internationalen Vergleich zu scheuen. 

Das haben wir übrigens in diesem Jahr auch ganz deutlich im Gespür. Der erste Schritt dazu ist jedenfalls gemacht, vorgestern und gestern haben wir den Rebschnitt für unsere beiden Parzellen so gut wie abschlossen. (für Interessierte: die eine Parzelle im moseltypischen einfachen Ganzbogen, die andere in Kronen-Erziehung). Und das bißchen, was jetzt noch dazwischenkommen kann, Hagel, Verrieselung und Frost, Mehltau der falschen und echten Art, der rote Brenner, Wildschweine und Federvieh soll uns von euphorischen Prognosen nicht abhalten: Große Klasse, wird er geworden sein, der 2013er Mannwerk, da sind wir uns jetzt schon verdammt sicher.

ps: ich habe gestern auch zum ersten mal unseren 2012er probiert. Es treibt einem die Tränen in die Augen, dass wir nur so wenig davon haben, denn der Wein ist wirklich große Klasse. Wenn das, was ich gestern probiert habe, so auf der Flasche landet, wird das unser bislang bester Wein. Mit Abstand. Aber wie gesagt, die zur Verfügung stehende Menge… Ach, es ist ein Elend. Eventuellen Interessenten sei jetzt schon gesagt, dass wir sicher werden zuteilen müssen…

posted Vor 1 Jahr on März 3rd, 2013 at 18:46 /
tags: Mannwerk Riesling 2013 Jahrhundertjahrgang
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Sad story - told in a single picture
On the right the barrel our 2011 was fermented and aged in – on the left the one which contains the leftovers of boars, birds ‘n oidium in 2012… (sigh)

Sad story - told in a single picture

On the right the barrel our 2011 was fermented and aged in – on the left the one which contains the leftovers of boars, birds ‘n oidium in 2012… (sigh)

posted Vor 1 Jahr on Dezember 14th, 2012 at 11:50 /
tags: Mannwerk St. Aldegund 2012
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Le diable de Oidium (a.k.a. echter Mehltau)

Vielleicht hätten wir es ähnlich machen sollen, wie der Herr auf der Zeichnung (an dieser Stelle herzlichen Dank an das Brooklyn Museum und die Wikipedia für das Verfügbarmachen) und einfach ein paar Mehltau-Scheuchen aufstellen. Die ergriffenen Maßnahmen haben jedenfalls in einer unserer Parzellen nichts gebracht.

Für den 16- und 22-Punkt Marienkäfer mag es eine großartige Nachricht sein (denn beide Arten ernähren ausschließlich davon), für den Winzer ist es Katastrophe: eine der zwei Parzellen, aus denen wir unseren Mannwerk lesen, fällt zu 100% dem echten Mehltau zum Opfer – die Trauben sind nicht verwertbar.

In der zweiten Parzelle sieht es zwar zur Zeit deutlich besser aus - die Trauben sind kerngesund und sehen bei guten Säurewerten frohgemut weiterer Reife entgegen – das insgesamt schlechte Obstjahr macht sich dort leider insofern bemerkbar, als dass Vögel und Wildschweine sich munter nach Ernärhungs-Alternativen umsehen. Wurzelechte Rieslingtrauben scheinen in diesem Fall gern genommen zu werden. Es bleibt also spannend, wieviel 2012er wir letztlich auf die Flasche bringen werden.

Rechts des Weges: 100%iger Ernteausfall, am Ende des Weges links hoch ist zur Zeit noch etwas vorhanden…

posted Vor 2 Jahren on Oktober 8th, 2012 at 11:38 /
tags: Mannwerk Echter Mehltau Wein Oidium St. Aldegund Himmelreich
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Mannwerk 2011

Darf ich vorstellen, unser zweiter Jahrgang: Mannwerk 2011. Wie im letzten Jahr: Steillagen-Riesling aus durchschnittlich 50-70 Jahre alten, wurzelechten Reben. Blauschiefer-Boden. Aber sonst ist vieles ganz anders: Ein völlig anderes Jahr, mit deutlich besseren Erträgen (rund 600 l) und einem völlig anderen Wein.

Noch liegt er auf der Hefe (deshalb die deutliche Trübung), aber er probiert sich schon sehr fein. Mit deutlich moderaterer Säure, dabei cremiger und fülliger als der 2010er. Ein Hauch von Kokos schwebt einem zur Zeit aus dem Glas entgegen.

Die spontane Gärung ist sauber durchgelaufen, der Wein wurde zur Vermeidung eines biologischen Säureabbaus inzwischen moderat geschwefelt. Er bleibt noch für kurze Zeit auf der Hefe im alten Holzfass, wird aber bald abgezogen, mit Hausenblase geschönt und moderat filtriert werden. Die Füllung folgt dann vermutlich im April.

Ende Mai/Anfang Juni sollte der Wein dann verfügbar sein. Die Vormerkungs-Liste ist übrigens seit geraumer Zeit eröffnet. Mail oder Tweet an mich genügt…

posted Vor 2 Jahren on Februar 21st, 2012 at 09:56 /
tags: Mannwerk St. Aldegund Himmelreich
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Darf ich vorstellen…

So sieht der Rote Brenner aus. Der sollte um diese Jahreszeit eigentlich nicht mehr vorkommen - aber Herrjeh…

Als ich mich dazu entschieden habe, mich an diesem kleinen, feinen Steillagenweinprojekt zu beteiligen, war das vor allem, weil ich dem Wein als und seiner Entstehung näher kommen wollte. Unmittelbarer verbunden sein mit Natur, Wetter und allen anderen Einflüssen auf den Wein.

Nun, was das betrifft, habe ich bisher nun wirklich wenig Grund zur Klage. Letztes Jahr gab’s die verrieselte Blüte im Frühjahr und dann Botrytis ohne Ende zur Ernte. Die Folge: Ertragseinbußen in wirklich dramatischer Höhe. Dieses Jahr lief es bis Juli nahezu perfekt. Der Spätfrost im Mai ist spurlos am Wingert vorübergegangen, unsere Parzellen wurden bisher vom Hagel verschont und nach anfänglicher Trockenheit bekamen die Reben auch genug Wasser.

Aber seit 14 Tagen: der Rote Brenner. Am Sonntag sind wir rund 6 Stunden lang durch das Himmelreich gestiegen und haben an kranken Blättern herausgeschnitten, was eben ging. Wenigstens die Trauben sehen zur Zeit noch kerngesund aus. Aber bei den Temperaturen sollte es jetzt bitte besser möglichst trocken bleiben…

posted Vor 3 Jahren on August 23rd, 2011 at 19:12 /
tags: Mannwerk St. Aldegund Rebkrankheiten
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Es wird ein Wein sein…

…und wir werden hoffentlich auch noch sein.

Am Telefon hatten wir es natürlich schon vorher gehört, aber mit eigenen Augen erst am Sonntag gesehen. Unsere drei kleinen Parzellen in St. Aldegund sind vom Frost völlig verschont geblieben.

Wie man oben sehen kann, steht der 2011er kurz vor der Blüte, der 2010er dagegen ist kurz vor der Abfüllung. Letzte Etiketten-Fragen werden noch diskutiert, aber zur rechtzeitig zur Präsentation am 8.7 wird wohl alles fertig werden.

posted Vor 3 Jahren on Mai 16th, 2011 at 23:38 /
tags: Himmelreich Mannwerk 2011
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