Filmtip “zwischen den Jahren”, 2. Teil

Nur noch für 4 Tage in der BBC-Mediathek (und in Deutschland auch leider nur mit hell-  bis dunkelgrauen Tricksereien zu sehen): “Life is Sweets” – eine der erfolgreichsten BBC4-Dokumentationen aller Zeiten.  Der großartige Nigel Slater erzählt darin anhand seiner ganz persönlichen Geschichte als Konsument die der britischen Süßwaren.

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(der Klick aufs Bild führt zu weiteren Info auf die entsprechende Seite der BBC4-Mediathek)EDIT 03/14: zur Zeit ist der Film vollständig bei Youtube zu finden und deshalb hier eingebunden

posted Vor 1 Jahr on Dezember 27th, 2012 at 18:04 /
tags: Nigel Slater Life is sweets BBC BBC4 BBC Four
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Toast

"Es ist unmöglich, einen Menschen, der Toast für einen macht, nicht zu lieben. All seine Fehler und Sünden, selbst größere, wie etwa, daß er dich zwingt, in kuzren Hosen zur Schule zu gehen, verlieren jede Bedeutung, wenn deine Zähne durch die grobe, getoastete Kruste brechen und in das weiche Teigbett des weißen Brotes sinken. Sobald die wame, gesalzene Butter auf deine Zunge trifft, bist du verloren. Wachs in der Hand jenes Menschen"

Das Zitat* stammt, genau wie die Vorlage zu dem oben angetrailerten Film von Nigel Slater. Genauer gesagt ist es aus dem ersten Kapitel von “Toast”, Slaters Kindheits- und Jugenderinnerungen**, die in Deutschland unter dem traditionell etwas beknackterenTitel “Halbe Portion” erschienen sind.

Ich habe gestern die Preview des Films (als OmU) gesehen. Ich möchte Anke “La” Gröner, der sich hier die nicht allzu häufige Gelegenheit bietet, ihr neues Blogger-Ego mit ihrem Old-School-Blogging zu vereinen, nicht vorgreifen. Von mir deshalb nur soviel:

Kann man sehen - muss man aber nicht. Insgesamt hat mit der Film doch ein wenig enttäsucht. Trotz toller Darsteller, detailverliebter Ausstattung und sehr, sehr schönem Soundtrack (der ist eine einzige große Hommage an Dusty Springfield!), schafft es der Film nur selten, die Tiefe (comming-of-age, früher Verlust der Mutter) und die Leidenschaft (Food!) der Buchvorlage zu erreichen – auch, wenn er sich sichtlich darum müht.

Andererseits – findet sich im Film die schönste “Foodporn”-Szene ever!

Wer sich selbst ein Urteil bilden möchte: Toast läuft ab 11. August in den hiesigen Kinos. Ich empfehle übrigens, sich anstelle der Raschelpest Popcorn besser hiermit (bzw. etwas Ähnlichem) als Proviant auszustatten. Aus Gründen.

Und wer lieber zur lesenswerten Buchvorlage greifen möchte, dem empfehle ich traditionell den Gang zum örtlichen Buchhändler. Für die Fußkranken und Lahmen aber hier noch die Links zu Amazon (affiliate):

englisches Taschenbuch

deutsches Taschenbuch

deutsches Hardcover

englisches eBook (Kindle)

Zitiert ist - in Ermangelung einer natürlich die deutsche Übersetzung von Karen Lauer

** Nachdem ich letzte Woche zum zweiten Mal die Jugenderinnerungen von Stephen Fry (Affiliate Link) gelesen habe - was ist es eigentlich, dass britische “Coming-of-age”-Memoiren so ausgesprochen lesenswert macht?

posted Vor 3 Jahren on August 2nd, 2011 at 09:50 /
tags: Toast Halbe Portion Nigel Slater Kino Film
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Der Pedant in der Küche (Julian Barnes)

"Bei Rezepten nehme ich mir nur eine Freiheit heraus, nämlich die Menge einer Zutat zu erhöhen, die meinen besonderen Beifall findet. Die Fallstricke dieses Ansatzes zeigten sich eines Tages bei einem sagenhaft widerlichen Gericht aus Makrelen, Martini und Semmelbröseln: Es machte die Gäste eher betrunken als satt."

Das stammt aus:

Julian Barnes - Der Pedant in der Küche

Julian “Flauberts Papagei” Barnes, ist begeisterter Hobbykoch. Genauer gesagt, er ist Hobbykoch und - laut eigener Auskunft – Pedant. Seinem Verständnis nach bedeutet das unter anderem, sich beim Kochen stets genauestens an das Rezept zu halten. Weil er, wie er selbst sagt, im Zweifelsfall den Buchstaben auf dem Papier mehr traut, als seinem eigenen Gefühl. Eigentlich, so sollte man meinen, dürfte doch bei so einer Herangehensweise nicht mehr allzu viel schief gehen. Gut, man wird selten wirkliche Überraschungen erleben oder den persönlichen Entdecker-Stolz einer eigenen Rezept-Kreation verspüren.  Aber sonst sollte es doch keine Probleme geben, oder?

"Meinem Eindruck nach können Kochbuchautoren sich nicht recht vorstellen, wie lange ein normaler Mensch mit zitternden Händen einen Teelöffel hochhält und darüber nachdenkt, ob der Inhalt eher als "gestrichen" oder "gehäuft" zu bezeichnen ist, oder der Bedeutung des Wörtchens "überflüssig" in einer Anweisung wie "von überflüssigem Fett befreien" nachspürt."

Ah ja, stimmt, man erinnert sich, genau so war das. Damals™, als man selbst noch sehr, sehr unsicher war. Als aus Mangel an Routine in jedem Rezept Dutzende von Fallstricken lauerten. Als man regelmässig gegrübelt hat über die Frage, wie groß eigentlich eine mittlere Zwiebel ist. Und wie klein deren Würfel zu sein haben, um als “fein” zu gelten? Und selbst wenn man auf diese Fragen Antworten gefunden (also eigentlich: Entscheidungen getroffen) hatte, lauerten hinter jeder Ecke, Verunsicherung und Frustration…

Kann es tatsächlich sein, dass Kochbuchautoren an manchen Stellen sogar offensichtlichen Unsinn erzählen? Barnes Antwort lautet: Ja, natürlich tun sie das. Jedenfalls zuweilen. Und er belegt das im Buch absolut nachvollziehbar mit einem konkreten Beispiel vom großen Nigel Slater.

Das Buch ist stellenweise hochamüsant geschrieben (was sollte man auch sonst von Julien Barnes erwarten), aber es plätschert auch öfter recht belanglos vor sich hin. Es gibt großartige Momente, wie den, wo er sich bei Pomiane für den Satz "an dieser Stelle könnte sie eine leichte Depression befallen" in einem Rezept bedankt, aber dazwischen gibt es auch viel Leerlauf. Dazu ist es recht kurz - nach einem ausgedehnten Nachmittag im Freibad hatte ich es nahezu vollständig ausgelesen.

Weshalb ich das Buch trotzdem hier durchaus lobend erwähne, ist, weil ich Barnes für die Erinnerung an die Unsicherheit der Anfangstage wirklich sehr dankbar bin. Genau wie für die daran, dass es auch Menschen gibt, die zwar gerne kochen, den Ball aber trotzdem möglichst flach halten möchten. Und die Feststellung, dass es völlig in Ordnung geht, wenn man nicht versucht, ein Restaurant darzustellen. Weil man ja auch keines ist. Sondern nur jemand, der sich darauf freut, dass gleich ein paar Freunde zum essen vorbeikommen.

Ob einem diese Mahnungen unbedingt 8,50 € wert sein müssen, mag man durchaus bezweifeln. Ein schönes Mitbringsel zu Essenseinladungen aber ist das Buch allemal. Die Anfänger und Nicht-ganz-so-ambitionierten unter den Köchen werden sich bestätigt sehen und das schöne Gefühl haben, nicht allein zu sein. Und die Erfahreneren werden sich an ihre Anfänge erinnern. Ein besseres Mitbringsel als 99 % des  ”Um-die-zehn-Euro”-Tands, der die Kassenbereiche der Kochläden dieser Republik genau zu diesem Zwecke zumüllt, ist es allemal.

Erschienen ist der Band bei Kiepenheuer und Witsch und die Paperback-Ausgabe ist nach wie vor im Buchhandel oder bei Amazon zu erwerben.

posted Vor 5 Jahren on August 17th, 2009 at 15:19 /
tags: Julian Barnes Nigel Slater Pedant Bücher
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