Vom Blauen Kölner und anderen… (a.k.a. WR#59 Exotische Weine)

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Was für eine Probe…

Das da oben war einer der ersten von insgesamt 21 Weinen. “Alter Satz von der Terrassensteilage” steht auf der Banderole. Ein “Gemischter Satz” – was so nicht auf dem Etikett steht, weil die Rechtslage  dazu sagen wir einmal… ein wenig unübersichtlich ist. Von gemischten Sätzen hört man ja in letzter Zeit wieder öfter. Vor allem aus Österreich. Was jahrhundertelang der Normalfall des Weinbaus war, ist heute eher eine Ausnahme. Rebsortenreine Anlagen, rebsortenreine Weine allerorts. Das bunte Durcheinander im Wingert, praktizierte Biodiversität, und die dann auch noch zur gleichen Zeit geerntet und zusammen verarbeitet – das alles ist selten geworden.

Und noch einmal um einiges seltener sind alte Anlagen mit gemischten Sätzen, die auch noch wurzelecht (also nicht auf Unterlagsreben anderer Herkunft aufgepfropft) sind. So selten, dass das Vorhaben, in einer einzigen Probe nahezu alle Weine aus solchen Parzellen zu versammeln nicht völlig unmöglich scheint. Eine Aufgabe wie geschaffen für meinen Weinfreund Thomas Riedl. Nicht zuletzt, weil er sich durch akribische Arbeit und viele Recherchen in den letzten Jahren zielstrebig den Ruf als einer der Experten für historische Rebsorten in Deutschland erarbeitet hat.

Insgesamt 3 Jahre haben die Nachforschungen und das Besorgen und Zusammenstellen der Weine für diese eine Probe dann gedauert. Und ich hatte das große Glück und die Ehre, an den Früchten dieser harten Arbeit teihaben zu dürfen…

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Und das hier oben war übrigens der beste Satz der gesamte Probe. Aus einer Anlage, die sage und schreibe 1835 gepflanzt wurde. Insgesamt 16 identifizierte und weitere 19 unbekannte Sorten graben ihre Wurzeln seit über 170 Jahren in den Muschelkalk. Frankens ältester Weinberg.
Gut zu den Binsenweisheiten der Wahrnehmungspsychologie gehört, dass man ja meist das an Eindrücken findet, was man auch sucht. Aber ich bin mir sicher, auch ohne das Wissen um “den Odem der Geschichte”, den dieser Wein umweht, wäre er mit aufgefallen. Da ist eine Grundnot von Silvaner. Aber deutlich komplexer und tiefer, als das dem “erdigen” Silvaner sonst gemein ist. Auch eleganter. Es mag “größere” Weine als diesen in Deutschland geben, sogar eine ganze Menge. Und doch ist dieser “Alte Satz” etwas ganz, ganz Besonderes. Wer mehr zum Wein und den Menschen, die ihn machen wissen möchte, klickt bitte hier entlang zur Homepage des Weinguts. Der aktuelle Jahrgang ist allerdings schon ausverkauft. 

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Zugegeben. Nicht alle Weine, die wir auf der Probe verkostet haben, waren von dieser Qualität. Doch interessant Ortlieber, Vogeltraube, Adelfränkisch und eben auch der schon im Titel genannte “Blaue Kölner” – insgesamt gab es in den Rebsortenlisten der einzelnen Weine eine Menge Sorten zu entdecken, von denen bislang selbst gestandene Weinfreunde noch nie gehört hatten.

Ich würde an dieser Stelle auch gern noch ein wenig ausführlicher über die dazugehörenden Weine berichten. Aber leider hat mich das angekündigte PDF mit allen Daten zu den verkosteten Weinen bis heute nicht erreicht. Im Normalfall hätte ich eigentlich auf dieses Papier gewartet, um detaillierter berichten zu können…

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…Andererseits ist ja heute der letzte Freitag des Montags – also der traditionelle Weinralley-Tag. Und das Thema, das Peter Ladinig, der Gastgeber dieser Runde, für heute ausgewählt hatte, lautete:

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Und da bin ich mir auch ohne weitere Unterlagen sicher: “exotischere” Weine als die in dieser Probe verkosteten hätten wir auch in der Südsee nicht gefunden. Grund genug also, für einen bebilderten Vorab-Bericht. Vom titelgebenden “Blauen Kölner” wird man an dieser Stelle ohnehin vielleicht noch einmal lesen – nämlich dann, wenn unsere Suche nach geeignetem Propfmaterial Erfolg haben sollte.

Was mir zum Schluss noch bleibt, ist mich noch einmal ganz ausdrücklich bei meinem Weinfreund Thomas zu bedanken. Ohne seine Arbeit, Akribie und seinen enzyklopädischen “Biss” wäre uns allen eine denkwürdige Veranstaltung versagt geblieben.

UPDATE: Der hochgeschätzte Kollege Chezmatze, neben dem zu sitzen ich während der Probe das Vergnügen hatte, hat seine Eindrücke inzwischen auch online gestellt. Und er war fleissiger als ich. Sehr viel fleissiger. Ebenso lang wie lesenswert. Klicken sie bitte hier…

posted Vor 1 Jahr on Januar 25th, 2013 at 18:09 /
tags: Wurzelecht Gemischter Satz autochthone Reben Blauer Kölner Thomas Riedl
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Dringender Spendenaufruf zur Rettung alter Rebsorten


@ rebenpatenschaft.de

Mein Weinfreund und -Mitgesellschafter Carsten Henn hat im Vinum-Blog [wegen Anführungszeichen Link nur unten] einen dringenden Spendenaufruf veröffentlich, den ich unterstützen möchte. Ich zitiere von Vinum-Blog:

Es schlägt fünf vor zwölf für den Südpfalzweinberg, der als Deutschlands Rebengedächtnis bezeichnet werden kann. Wenn keine 1.500 Euro gesammelt werden können wird er eingehen – und autochthones Rebmaterial unwiederbringlich verschwinden. Deshalb starten das VINUM Blog und „Rebenretter“ Andreas Jung hiermit diesen Spendenaufruf.

Der Winzer, welcher den Weinberg bisher betreute, hat die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung eingestellt und wird sie auch nicht mehr aufnehmen. Jetzt ist Not am Mann! Im  24 Ar großen Südpfalz-Weinberg steht nahezu das ganze Sorten- und Klonmaterial der Badischen Bergstraße, das Andreas Jung 2005 eingesammelt hat:1185 Reben, 237 Klone, rund 45 verschiedene, uralte Rebsorten. Darunter Fütterer und Kleinedel, die am Originalstandort bereits gerodet sind, auch Putzscheeren, Heunisch, Ortlieber, Roter und Rot-weißer Veltliner, Honigler, Blauer Heunisch, Blank Blau, Primitivo, dazu seltene Klone von klassischen Sorten wie der Bergsträßer Elbling, Chardonnay, Auxerrois, Silvaner oder rotholziger Trollinger, die dort seit mindestens 200 Jahren wachsen.

(…)

Im Moment geht es um Soforthilfe zur Rettung bis zum Jahresende. Benötigt werden insgesamt rund 1.500 Euro, mit denen Pacht und Weinbergsbewirtschaftung bis Ende des Jahres finanziert werden und Rebschulmaterial bezahlt wird, das zur Füllung der Lücken dient. Wenn also 75 Personen jeweils 20 Euro spenden sind wir da! Damit wäre der Weinberg für dieses Jahr gerettet, dann geht es daran ihn langfristig zu sichern. Es gibt ein Patenmodell das ausgebaut werden könnte, doch dafür muss die Pacht vom bisherigen Besitzer. In diesem Jahr ist  der Weinberg ist leider erfroren, aber die meisten Stöcke treiben wieder. Doch über Weinverkauf wird nur minimal Geld zu erwirtschaften sein.

Wer jetzt schon genug weiß, um 20 Euro (steuerlich absetzbar!) zu erübrigen, die Bankverbindung zur Spende lautet:

Pomologen-Verein e.V.

Stichwort “Rettung des Südpfalzweinbergs”
Sparda-Bank West
Konto-Nr. 390 92 63

BLZ 370 605 90

Wer vorher noch genaueres wissen möchte, schaut noch mal herüber zu Vinum und in dieses PDF.

Und an alle hier mitlesenden (nicht nur)Wein-Blogger: Please spread the news!

http://www.vinum.ch/blog/2011/05/25/spendenaufruf-„deutscher-rebenschatz“/

posted Vor 2 Jahren on Mai 26th, 2011 at 09:43 /
tags: Andreas Jung Spendenaufruf Südpfalzweinberg Rebengedächtnis autochthone Reben
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